In diesem Blog geht es um Klang. Und zwar den Klang, den wir alle im Mutterleib hören bzw. gehört haben. Ich möchte ausserdem kurz zusammenfassen, was Musik Frühgeborenen und ihren Eltern geben kann – gerade wenn die natürliche Klangwelt im Mutterleib zu früh verlassen werden muss.

Was wir vor unserer Geburt hören

Dein Kind hört im Mutterleib bereits Deine Stimme als Mutter und Vater, das mütterliche  Pulsieren des Blutes und den regelmäßigen Herzschlag. Das sind rhythmische Klänge, die Geborgenheit vermitteln, Bindung aufbauen und zur (Gehirn-) Entwicklung beitragen. Wie sich das anhört, zeigt der Anfang von folgendem Video, das erklärt, wie sich unser Hörsinn entwickelt (Video in Englisch).

Störfaktor Frühgeburt

Bei einer Frühgeburt muss Dein Kind die oben beschriebene, verbindende Sinneswelt verlassen. Es taucht ein in die Umgebung einer neonatologischen Intensivstation, wo ganz andere Klänge vorherrschen. Aber: Eigentlich braucht Dein Kind weiterhin Geborgenheit und Nähe spendende vertraute Klänge. Was tun?

Wie Musik helfen kann

Im Mutterleib nehmen wir vor allem die musikalischen Elemente von Klängen und Sprache wahr. Wie im Video erklärt, ist das z.B. die Melodie der Mutter- und Vaterstimme.  Oder wie schnell, hoch und rhythmisch Geschwisterkinder oder andere Personen sprechen.

Musik wie z.B. gesummte Wiegenlieder knüpfen hier an. Sie können Dir und Deinem Kind helfen, weil sie vertraute Klänge, Melodien und Rhythmen anbieten.

«Tavaszi szél vizet áraszt is the most beautiful song I know. I grew up with this song and during the years a thousand memories got attached to it, so the song grew up with me as well. I sang this song for Marcell throughout my pregnancy. Although it is not a lullaby, its beautiful sound and flow matched my feelings during pregnancy perfectly. You can express a whole palette of emotions with this song, and with so many memories attached to it, I could ‚travel‘ to times and places I love and would love to share with my little son. So I used this song for ’space travel‘ during those hard weeks at the NICU/IMC. Through its strong evocative power singing Tavaszi szél helped me to build a bubble around us during the kangaroo sessions, a bubble that was oblivious to the surrounding world and that could shut out the disturbing goings-on. There were only the two of us. Nothing else mattered. It was beautiful. Singing helped me to create intimacy. Without this intimacy we would not have been able to connect so strongly.»

Mutter eines frühgeborenen Kindes, 27. Schwangerschaftswoche

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Dass Musik bei Frühgeburt helfen kann, wurde bereits wissenschaftlich untersucht. Studien* haben z. B. gezeigt, dass Musik dazu beitragen kann, dass

  • Kinder und Eltern sich entspannen
  • Atmung und Sauerstoffsättigung stabiler werden
  • Eltern weniger Ängste und Stress empfinden
  • es den Kinder und ihren Eltern insgesamt besser geht und
  • sie eine engere Beziehung aufbauen können.

In meinem nächsten Beitrag plane ich darüber zu schreiben, welche Musik am besten für Eure Kinder in dieser frühen Zeit ist. Was interessieren Euch für Fragen rund um die Entwicklung frühgeborener Kinder? Oder was das Hören und Musizieren anbelangt?

* Etwas Literatur

Bieleninik et al. Pediatrics 2016 – Auswertung verschiedener Studien (Meta-Analyse) zu Musiktherapie mit Frühgeborenen und Eltern, die u.a. zeigt, dass Atemfrequenz der Kinder und Ängste der Mutter positiv beeinflusst werden

Loewy et al. Pediatrics 2013 – Experiment in mehreren US-Kliniken mit 273 Frühgeborenen, die mehrmals pro Woche Musiktherapie inkl. Wiegenlieder erhielten, was u. a. positiv das Schlaf- und Ernährungsverhalten der Kinder sowie den Stress der Eltern beeinflusste

Haslbeck Nord J Music Ther 2011 – Auswertung diverser Studien (Review) zum Einfluss von Musiktherapie bei Frühgeborenen Kindern und ihren Eltern, die nahelegt, dass Musiktherapie beruhigen bzw. stabilisieren kann und sich Kinder aktiver beteiligen als bisher angenommen

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