Wir haben insgesamt 100 Tage im Inselspital Bern verbracht. Zuerst mussten wir den Tod von unserem Sohn verkraften, bevor wir das Leben von unserem zweitgeborenen Sohn geniessen konnten. Der Gedanke und das Gefühl, dein eigenes Kind in den Sarg zu legen, ist und bleibt für immer der schrecklischte Moment in meinem Leben.

Trotz allem was wir ertragen mussten, hat mich der Aufenthalt im Inselspital gestärkt. Nebst meinen Gedanken über das Leben an sich hat es uns auch als Paar zusammen geschweisst. Jeden Tag waren wir im Inselspital am Bett von unserem Sohn und haben zugeschaut, wie er gewachsen ist. Viele Leute können meine Einstellung nicht verstehen – aber ich muss zugeben, es war trotz allem eine schöne Erfahrung. Versteht mich nicht falsch: Ich möchte es unter keinen Umständen nochmals erleben. Aber was ich mit dem Wort «schön» meine, schildere ich hier.

Herzlichkeit, Liebe und Fürsorge von «Helden des Alltags»

Da ist zum einen die Herzlichkeit, die Liebe, die Fürsorge, die Passion, die wir im Spital erleben durften. Das hat mir mehrfach die Augen geöffnet und gezeigt, dass diejenigen Menschen, die dort jeden Tag ihr bestes tun, die wahren Helden sind. Beispielsweise hat das Team der Neonatologie bis um 02:00 Uhr morgens um das Leben von unseren beiden Kindern gekämpft. Und um 07:00 Uhr morgens waren manche Ärzte schon wieder vor Ort und mussten Entscheidungen treffen, welche ich nicht treffen möchte. Da geht es nicht darum, welche Gitarre ich für einen Song auswähle. Es sind Entscheidungen über Leben und Tod.

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«Känguruen»: gesunde Entwicklung durch Entspannung fördern
Foto: Simon Kurt, digitalemassarbeit.ch 2016

Bindung durch «Känguruen»

Des Weiteren waren die schönsten Momente während des Aufenthalts natürlich die Stunden im «Känguruen». Wir haben hautnah miterlebt, was das «Känguruen» bewirkt. Neben den offensichtlichen Dingen wie Puls und Sauerstoffsättigung, welche sich stabilisiert haben, haben wir auch bemerkt, dass sich unser Kind beruhigt. Nicht nur für das Kind ist das «Känguruen» mit 100%er Sicherheit ein Vorteil, sondern auch für uns Eltern. Ich bin überzeugt davon, dass die Bindung zu unserem Sohn nicht annähernd so gut wäre, wenn wir das «Känguruen» nicht gemacht hätten. Dabei haben wir gesungen und Geschichten erzählt. Wir wussten, dass er uns nicht versteht und dennoch glaube ich fest daran, dass er uns sehr wohl verstanden hat.

Singen und Summen

Ein wichtiger Bestanteil des „Känguruen“ war auch das Singen und Summen. Wir haben jeden Tag Songs von Michael Jackson, Büne Huber und vielen anderen Künstlern gesungen und «gesummt». Und wir haben bemerkt, wie sich unser Sohn daran gewöhnt. Auch nicht zu Vergessen sind die Stunden während der Musiktherapie. Die Klänge waren nicht nur für unser Kind eine Wohltat, sondern auch für uns Eltern. Es war wirklich ein tolles Erlebnis zu sehen, was die Musik alles bewegen kann. Es sind nicht nur Emotionen, wie ich sie als Musiker bei Leuten erlebe, sondern auch die Art, wie sich das Kind beruhigt, war wirklich ein tolles Erlebnis.

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