Wie geht es Eltern, wenn die Geburt des Kindes dramatisch ist? Sekunden über Leben und Tod entscheiden? Und dann ein Wunder geschieht – die kleine zarte Tochter will leben, atmet, findet ihren Weg zu den Eltern, die sie mit Liebe aufnehmen. Und mit Musik auf der neonatolgischen Intensivstation einen Weg finden, der kleinen Ilenia nahe zu sein. Stefanie hat ihre Hoffnung und Liebe zu einem Lied für Ilenia gemacht. Es wird im neuen Liederbuch «Mit dem Oktopus ins Liedermeer» zu finden sein…

Kämpferherz

Das Herz von Ilenia stand still als sie auf die Welt kam, der Atem blieb aus. Doch nach 5 Minuten fing es an zu schlagen und die Atmung setzte ein. Ein riesiges Wunder – dieses Mädchen will leben! Mein Mann und ich wussten, dass unsere Tochter eine unglaubliche Stärke in sich trägt. Sie wird auch die nächste schwierige Zeit auf der Intensivstation kämpfen.

Ilenia musste zehn Wochen zu früh per Notfallkaiserschnitt auf die Welt geholt werden. Wir waren beide in einem lebenskritischen Zustand. Mein Mann lief in dieser Zeit hin und her – von der einen Intensivstation, wo Ilenia war, zur anderen Intensivstation, wo ich versorgt wurde. Er war unsere Verbindung. Und er war unser Kontakt zu Laura und Sabrina, den zwei Geschwistern von Ilenia. Beide konnten ihre kleine Schwester wegen der Schutzmassnahmen nicht besuchen, die aufgrund der Corona-Pandemie in 2020 im Spital galten.

«Ich habe meiner Tochter viel vorgesungen beim Känguruhen – ein unglaublich schöner Moment. Einfach mit ihr zu sein, ihr Herzschlag zu spüren, ihren Atem, ihr ganzes Wesen wahrzunehmen.»

Stefanie Jonasch Spartà

Musik – unser Weg, unser Kontakt

Schon als Ilenia im Bauch war, habe ich ihr immer Lieder vorgesungen und ihr etwas mit der Gitarre vorgespielt. Als ich nach der Geburt endlich zu ihr konnte, fing ich neben Berührungen an zu singen. Ich habe einfach gesungen als wäre sie noch im Bauch und dachte, das sei etwas, was sie von mir gewohnt ist. Dann hat sie das erste Mal die Augen geöffnet und mich angeschaut.

Als Ilenia von der Intensivstation in die Neonatologie kam, lernte ich dort die Musiktherapeutin Irmi Keraudren kennen. Sie hat mitbekommen, dass ich Gitarre spiele und lieh mir sofort ihr Instrument aus.

Ich habe meiner Tochter viel vorgesungen beim Känguruhen – ein unglaublich schöner Moment. Einfach mit ihr zu sein, ihren Herzschlag zu spüren, ihren Atem, ihr ganzes Wesen wahrzunehmen. Abends habe ich das kleine Türchen von der Isolette geöffnet und ihr mit der Gitarre ein Gute-Nacht-Lied vorgespielt bevor ich nach Hause ging. Meistens ist es dann ganz spät in der Nacht geworden, weil ich mich von ihrem schlafenden, kleinen Körper einfach nicht lösen konnte.

Musizieren macht Mut und spendet Hoffnung

Das Musizieren gab mir Mut. Durch Irmi war ich immer wieder von Neuem bestätigt, wie wichtig die Musik für die Babys ist. Für Ilenia zu musizieren gab mir auch das Gefühl, dass ich etwas für meine Tochter machen kann. So konnte ich der ganzen Machtlosigkeit begegnen, der ich in dieser Zeit ausgesetzt war. Ich habe die Lieder aufgenommen und sie konnten in der Nacht, wenn mein Mann und ich nicht da waren, Ilenia abgespielt werden.

Als Ilenia endlich nach Hause durfte und wir morgens aufstanden, ist das Lied «Guete Morge liebi Wält» entstanden. Voller Freude endlich zusammen aufstehen zu können, begrüssen wir einfach alles was uns begegnet! Es kam immer mehr dazu. Erst die Welt, die Sonne, die Füsse beim Wickeln, dann die Tiere im Garten, den Papa, die Geschwister… Einige Strophen sind gleich geblieben und andere Strophen werden jeden Tag neu dazu erfunden. Wollt Ihr es mal anhören? Hier ist es…

Guete Morge liebi Wält

«Guete Morge liebi Wält

guete Morge liebi Wält

guete Morge, guete Morge

guete Morge liebi Wält

Guete Morge liebi Wält

au d’Ilenia isch uf

sie luegt zu dr Sunne

guete Morge liebi Wält»

Musik & Text: Stefanie Jonasch Spartà

Wie findet Ihr unser Lied?

Ich freue mich, sehr unser Lied mit euch zu teilen und wünsche euch damit schöne Erfahrungen mit euren Babys! Wir freuen uns auf das neue Liederbuch und sind gespannt auf Eure Kommentare. Wollt Ihr mir Eure Erfahrungen mit Musik mitteilen?

Macht mit beim Oktopus-Liederbuch!

Wir machen ein neues Liederbuch. Habt Ihr Lust, mitzumachen? Sendet uns Euer Lieblingslied aus dem ersten Lebensjahr! Das neue Liederbuch von Euch ist für Familien im Spital und für daheim. Fertig sein soll es zum Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November 2021. Neu mit dabei – der Oktopus als Freund und Begleiter, wunderschön gestaltet von Ilona und Stephan Schöll von Lazy Day Paper. Wir sammeln weiter Spenden und Lieder, um das Buch und seinen Inhalt zu gestalten. Hier könnt Ihr mehr über das Oktopus-Liederbuch erfahren…

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